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Wie Forschungs- und Praxisorientierung sich ergänzen – Konzeption und Messergebnisse zum Modul „Regional Innovation“

Ein besonders im universitären Kontext immer wieder herausgestelltes Spannungsfeld ist jenes zwischen Forschungs- und Praxisorientierung. In diesem Beitrag wird argumentiert und anhand empirischer Daten unterfüttert, dass dieses Spannungsfeld nicht bestehen muss, wenn Studierende im praxisorientierten Format eigenständig Lösungen für real bestehende Herausforderungen unter klarem Rückbezug auf wissenschaftliche Konzepte erarbeiten. Die Veranschaulichung erfolgt am Beispiel des Lehrmoduls „Regional Innovation“, welches seit dem Sommersemester 2018 an der Ruhr-Universität Bochum angeboten wird.

Das Modul wird im Rahmen des InSTUDIESplus-Projektes mit Mitteln des BMBF gefördert. Es dient im Maßnahmenfeld „In die Praxis“ der Verbesserung der Qualität der Lehre hinsichtlich einer stärkeren Transferorientierung. Durch das Modul soll der Wissens- und Erfahrungsaustausch mit Praxisakteuren in der Region intensiviert werden. Das Konzept ist als Kooperations- und Innovationsmodell ausgestaltet. Im Zentrum des Moduls stehen Projekte, in denen Studierende im Austausch mit Praxispartnern Lösungen für regionsspezifische Fragestellungen erarbeiten.

Die Durchführung des Moduls wird durch ein umfassendes Evaluationskonzept begleitet, das die Entwicklung der Kompetenzen durch Vorher-Nachher-Messungen entlang der sechs Dimensionen Fachkompetenz, Anwendungskompetenz, Forschungskompetenz, Projektmanagementkompetenz, interkulturelle und interdisziplinäre Kompetenz erfasst. Die Messergebnisse zum Zeitpunkt des Vortrags beziehen sich auf vier Moduldurchläufe. In jedem Durchlauf zeigen sich bisher signifikante Kompetenzzuwächse in fünf von sechs Dimensionen, wobei die Effektstärke in der Forschungs- und Anwendungskompetenz besonders hoch ist.

Der hier gemessene Gleichklang zwischen Forschungs- und Praxisorientierung lässt sich dahingehend interpretieren, dass die Kontextualisierung regionsbezogener Fragestellungen das Problemverständnis der Studierenden stärkt und darüber die intrinsische Lernmotivation erhöht, sich mit den Theoriegebäuden der Wissenschaft auseinanderzusetzen. Die enge Zusammenarbeit mit Praxisakteuren ermöglicht zudem die Rückkopplung und den Transfer der Projektergebnisse für die gemeinsam identifizierte Herausforderung. Neben Inhalten und Methoden werden so auch deren Anwendung und Übersetzung durch geeignete Kooperations- und Kommunikationsformen erlernt und geübt.

Mit Blick auf andere Lehrveranstaltungen lassen sich folgende Erkenntnisse aus dem Beispiel übertragen: Forschungs- und Praxisorientierung schließen sich nicht aus, vielmehr lässt sich über den Anwendungsfall das Interesse für theoretische Konzepte aus der Wissenschaft und Verständnis für das generelle Zusammenspiel von Theorie und Empirie erzeugen. Des Weiteren bieten sich Regionen mit ihren unterschiedlichen institutionellen und ökonomischen Herausforderungen als Reallabore an, in denen Studierende der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie der Geographie Erlerntes aus dem Studium testen und praktisch anwenden können.

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Themenbereiche

  • Lehr-Lernformat
  • Transfer- und Praxisorientierung

Autoren

  • S. Rohde
  • U. Wilkens

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Slot

  • T1 Posterrunde II A (14∶15 15∶00)

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