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Dem lehrbezogenen Wandel auf der Spur: Netzwerke von Lehrinnovatoren* innen an Hochschulen

Universität Paderborn, Deutschland

Forschungsfrage und Relevanz

Die Frage, wie sich die Lehre an Hochschulen systematisch weiterentwickeln lässt, hat durch Reform- und Entwicklungsvorhaben wie Bologna und QPL an Bedeutung gewonnen. Im Gegensatz zum Unternehmenskontext bestehen bislang keine umfassenden Konzepte (i.S. einer ‚Change-Theorie‘), auf deren Basis sich Strategien und Maßnahmen für die (Weiter-) Entwicklung der Hochschullehre formulieren ließen.

Allerdings liefern organisationstheoretische Konzepte von Hochschulen (z.B. Maassen & Stensaker, 2019; Whitchurch, 2008) sowie aktuelle Forschungsbefunde zur Gestaltung von Lehrinnovation (u.a. Jütte, Walber & Lobe, 2017; Roxa & Martensson, 2015; van Waes et al., 2016, 2018; Knutzen, Brose und Ladwig, 2016) Hinweise darauf, dass lokale Netzwerke jenseits formaler Organisationsstrukturen eine wichtige Rolle für die Lehrentwicklung spielen.

Der vorgeschlagene Beitrag untersucht die Charakteristika eines Netzwerks von Lehrinnovatoren*innen an Hochschulen. Im Rahmen einer sozialen Netzwerkanalyse werden die folgenden Forschungsfragen adressiert:

  1. Wie ist das Innovatoren*innen-Netzwerk in Bezug auf Merkmale strukturiert, die für die Lehrentwicklung als relevant erachtet werden? (Makro-Ebene des Gesamtnetzwerks)
  2. Welche Netzwerkrollen lassen sich innerhalb des Netzwerks identifizieren und welche Merkmale zeichnen die entsprechenden Individuen aus? (Mirko-Ebene einzelner Akteure)

Die Untersuchung liefert einen Baustein auf dem Weg zu einer umfassenden Theorie lehrbezogenen Wandels an Hochschulen. Darüber hinaus ergeben sich aus der quantitativ-strukturellen Betrachtung des Innovationsnetzwerks Ansatzpunkte für eine weiterführende (und derzeit durchgeführte) qualitative Untersuchung einzelner Akteure und Lehrinnovationsprojekte.

Methodisches Vorgehen

Kern der Studie bildet eine Netzwerkerhebung Angehörigen des Netzwerks Lehre hoch n. Lehre hoch n ist ein Entwicklungsprogramm für Personen, die bereits in Lehrinnovationen engagiert sind und sich initiativ für eine Teilhabe an insgesamt fünf Entwicklungsworkshops bewerben. Die Teilhabe an der Workshopreihe ist gleichsam der Eintritt ins Gesamtnetzwerk. Insgesamt wurden 230 Personen, die formell als Mitglieder des Netzwerks gelten, eingeladen, an einer Online-Umfrage teilzunehmen und Auskunft darüber zu geben, mit welchen anderen Personen sie in regelmäßigem Kontakt stünden. Als Kontakt wurde dabei ein mindestens halbjährlicher, persönlicher oder medienvermittelter Kontakt Austausch definiert, der eine gewisse thematische Konstanz aufweisen und nicht rein zufällig stattfinden sollte. Insgesamt nahmen 127 Personen an der Befragung teil, wobei ein Teil nicht mehr im Netzwerk erschien (also auch nicht von anderen Personen angegeben wurde), ein Teil als Kontakt angegeben wurden. Neben den Kontakten wurden noch Skalen zur veränderungsbezogenen Selbstwirksamkeit sowie zu Anlässen für die eigene Aktivität im Netzwerk erhoben.

Ergebnisse

Die Auswertungen auf der Marko-Ebene verweisen auf das Vorhandensein zahlreicher Subgruppen innerhalb des Gesamtnetzwerks. Während die Dichte auf Gesamtnetzwerks-Ebene nur rund 0,05 beträgt (d.h. 5% der möglichen Kontakte werden tatsächlich realisiert), lässt sich ein deutlich dichteres Kernnetzwerk identifizieren, das spezifische Merkmale aufweist. Bspw. wird ein strukturelles Loch zwischen Angehörigen unterschiedlicher Hochschularten, das im Gesamtnetzwerk feststellbar ist, überwunden. Auch zeigt sich eine intensivere Interaktion über verschiedene Hierarchie- und Statusgruppen hinweg.

Auf der Mikro-Ebene lassen sich Akteure identifizieren, die als ‚Broker‘ oder ‚Hubs‘ besonders netzwerktragend sind, weil sie unterschiedliche Subgruppen miteinander verbinden. Eine Betrachtung individueller Merkmale ergibt für diese Akteure eine vergleichsweise hohe strategische Orientierung sowie großes Interesse an institutionellen und politischen Fragen.

Insgesamt liefert die Analyse sowohl Hinweise für die Konzeptionalisierung lehrbezogenen Wandels an Hochschulen als auch für das Management lehrorientierter Innovationsnetzwerke.

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Themenbereiche

  • Makroebene

Autoren

  • T. Jenert

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  • T1 Vorträge 4 (15∶30 - 16∶45)

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