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Studentische Lerneffekte in Community- based Research-Projekten

Seit den 1990er-Jahren erfreut sich der Forschungsansatz Community-based Research (CBR) großer Beliebtheit in der US-amerikanischen Hochschullehre und Forschung. In Deutschland ist der CBR- Ansatz bisher noch nicht sehr verbreitet, gewinnt jedoch im Rahmen der Third Mission und der Transferdebatte der Hochschulen immer mehr an Bedeutung. In der Fachliteratur werden CBR- Projekte zwar vorgestellt sowie Vor- und Nachteile diskutiert, jedoch basiert das Wissen über den Ansatz, insbesondere den Lerneffekten der Studierenden, ausschließlich auf Erfahrungen und nicht auf empirisch fundierten Daten. Die einzige Studie, die zum Thema Lerneffekte von Studierenden durch CBR-Projekte durchgeführt wurde, war eine Vorstudie der Princeton University zu „Student Learning Outcomes of Community-based Research“ .

Da die Lerneffekte von Studierenden durch CBR bisher kaum erforscht wurden, beschäftige ich mich im Rahmen meiner Dissertation mit der Frage: Welche Lerneffekte treten bei den Studierenden durch die Mitarbeit in Community-based Research-Projekten, insb. im Hinblick auf ihr späteres Berufsleben, auf? Dafür untersuche ich unter anderem Studierende der Studiengänge B.A. Soziologie und Politikwissenschaft, die am Grundkurs Methoden der empirischen Sozialforschung im zweiten Semester teilnehmen. Im Rahmen dieses Seminars erhalten die Studierenden erstmals die Möglichkeit, ihr erlerntes Methodenwissen aus der vorausgegangenen Vorlesung in einem eigenen kleinen Forschungsprojekt anzuwenden. Dabei können die Studierenden die Projekte u.a. auch in Zusammenarbeit mit Praxispartnern aus der Hamburger Zivilgesellschaft durchführen.

Um herauszufinden inwieweit Praxisprojekte in der sozialwissenschaftlichen Methodenausbildung einen Einfluss auf den Lerneffekt der Studierenden hat, wurden sechs Kurse mit drei unterschiedliche Seminarbedingungen im SoSe2019 im Lehrteam um Prof. Dr. Kai-Uwe Schnapp angeboten. (1) In zwei Seminaren konnten Studierende ausschließlich Projekte in Kooperation mit Praxispartnern durchführen. (2) In zwei weiteren Seminaren hatten Studierende die Möglichkeit eine selbstausgewählte Fragestellung zu untersuchen. (3) Zwei weitere Kurse waren eine Mischform aus Variante 1 und 2. Die eine Hälfte der Studierendengruppen gingen eine Kooperation ein, die andere Hälfte nicht. Um zu überprüfen, ob die Praxisprojekte (unabhängige Variable) einen Einfluss auf den Lerneffekt (abhängige Variable) haben, wurden alle sechs Grundkurse parallel mit den gleichen Inhalten und der gleichen Didaktik durchgeführt. Die Projekte ohne Praxispartner dienen dabei als Kontrollgruppe. Das Seminarkonzept wird mithilfe eines Mixed-Methods-Designs untersucht. Zu zwei Messzeitpunkten (am Anfang und am Ende des Semesters – nach Abgabe der Hausarbeiten) erhalten die Studierenden einen standardisierten Onlinefragebogen. Die erste Befragung fand bereits statt, die zweite geht in kürze ins Feld. Die quantitativen Vorher-Nachher-Erhebungen werden im November und Dezember 2019 durch Gruppendiskussionen ergänzt, in denen die Studierenden ihre Projekterfahrungen reflektieren und diskutieren sollen.

Ich gehe davon aus, dass die Studierenden in diesem Praxisprojekt wichtige berufsrelevante Kompetenzen erlangen, die sie im Sinne Ludwigs zum „professionellen Handeln“2 befähigen. In einem Einzelbeitrag im März 2020 könnte ich die ersten Ergebnisse der abgeschlossenen Studie präsentieren.

1 vgl. Lichtenstein et al. 2011.

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Autoren

  • K. Glaß

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  • T1 Posterrunde II B (14∶15 15∶00)

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