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Fachkulturen und Studierpraxis – Quantifizierbarkeit und Effekte eines qualitativen Paradigmas

Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung – IfBQ, Deutschland; 2Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung – DZHW, Deutschland

Welche Rolle spielt fachkulturelle Passung für die Studierpraxis? Diese Fragestellung ist vor dem Hintergrund anhaltender Debatten über die fortschreitende Heterogenisierung der Studierendenschaft und deren Auswirkungen auf den Alltag an Hochschulen von Relevanz. In unserem Beitrag diskutieren wir selbige aus einer kultursoziologischen Perspektive (Bourdieu 1982). Dabei gehen wir auf zentrale Befunde der Fachkulturforschung zur Lebenswelt Hochschule (Friebertshäuser 1992; Windolf 1992; Engler 1993; Georg et al. 2009) ein. Anschließend präsentieren wir ein Konzept zur Operationalisierung von fachkultureller Passung mittels quantitativer Daten (Brändle 2019). Dazu werden in Anlehnung an das Lebensstilkonzept von Otte (2008) die Positionen der Studierenden im sozialen Raum identifiziert und bivariate Kerndichtschätzungen zur Bestimmung der fachkulturellen Passung durchgeführt.

Hierzu analysieren wir Daten der 21. Sozialerhebung (Middendorff et al. 2017). Dabei handelt es sich um eine bundesweite Erhebung von Studierenden, die im Sommersemester 2016 an einer staatlich oder staatlich-anerkannten deutschen Hochschule immatrikuliert waren. Die Nettostichprobe beläuft sich auf n=55.211 deutsche und bildungsinländische Studierende an 248 Hochschulen (Becker et al. 2019).

Unsere empirischen Analysen fokussieren zunächst die Frage, inwiefern sich die Fachkulturen an einer Hochschule unterscheiden und inwiefern Studierende eines Fachs an unterschiedlichen Hochschulen ähnliche Kulturen aufweisen. Daran anschließend untersuchen wir, welche Auswirkungen fachkulturelle Passung auf die soziale Integration der Studierenden und ihre akademische Passung hat (Tinto 1975; Dahm et al. 2016). Zu diesem Zweck werden auf Basis der grundlegenden bivariaten Kerndichteschätzungen fachkulturell passfähige Studierende von Studierenden unterschieden, deren Lebensstil vom am häufigsten verbreiteten Lebensstil innerhalb der Studierendenschaft abweicht. Mittels multivariater Regressionsmodelle wird daraufhin gezeigt, welche Effekte die fachkulturelle Passung auf die genannten Aspekte der hochschulischen Praxis hat und wie sich diese Effekte unter Kontrolle von soziodemografischen Merkmalen verhalten.

Die Ergebnisse lassen einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Debatten über studentische Kulturen und im Speziellen zur Übertragbarkeit des Konzepts der Fachkultur in quantitative Studien erwarten. Darüber hinaus ermöglichen die Analysen neben der Deskription der Fachkulturen auch einen Blick auf die Auswirkungen der fachkulturellen Passung auf die Studierpraxis. Auch wenn die Analysen zum derzeitigen Zeitpunkt noch keine konkreten Antworten auf die aufgeworfenen Fragen erlauben, weisen erste Auswertungen auf die Tragfähigkeit des Konzepts zu Operationalisierung der fachkulturellen Passung mit Daten der 21. Sozialerhebung hin. Anzunehmen ist diesbezüglich, dass fachkulturell passfähige Studierende sowohl intensiver mit ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen interagieren als auch häufiger Kontakt zu ihren Lehrenden – und aufgrund der Zusammenhänge von sozialer Integration und akademischen Passung mit Studienerfolg (Weber et al. 2018) langfristig auch erfolgreicher im Studium als fachkulturell nicht passfähige Studierende sind.

Themenbereiche

  • Makroebene

Autoren

  • T. Brändle
  • K. Becker

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Slot

  • T1 Vorträge 2 (11∶45 13∶00)

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