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Können Hochschulen ohne „New Public Management“ überhaupt gesteuert werden? Neue Paradigmen für das Hochschulmanagement und ihre Umsetzung

Philipp Pohlenz1, Markus Seyfried2

1Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Deutschland; 2Universität Potsdam, Deutschland

Soziale Dynamiken entfalten sich in der Abfolge von Entwicklungen und darauf gerichteten Gegenbewegungen. Dies lässt sich allgemein in politischen Systemen beobachten („Fake News“ folgen einem auf rationaler Evidenzbasierung geprägten Zeitgeist), aber auch mit Blick auf Paradigmen der Steuerung von (öffentlichen wie privaten) Organisationen.

So ist derzeit ein verstärktes Hinterfragen des jahrelang dominierenden Steuerungsparadigmas des New Public Managament erkennbar sowie Angebote der verwaltungs- bzw. politikwissenschaftlichen Literatur zu Ansätzen, die dieses Paradigma ablösen könnten, wie etwa das des „traus-based management“ (Bringselius 2017). Die Kritik am New Public Management war und ist, dass dieses trotz entgegengesetzter Zielstellung, zu einer verstärkten Detailsteuerung und kleinteiligen Kontrolle von Akteuren und Prozessen der Leistungserbringung geführt hat. Vom „trust-based management“ hingegen würde man sich einen Autonomiegewinn auf der Ebene der Aufgabenerledigung versprechen können sowie einen stärkeren Einbezug der Adressaten von Leistungen der (öffentlichen) Institutionen in deren Erbringung („stakeholder involvement“).

Letzteres Kennzeichen machen das Wissenschaftssystem und insbesondere die Hochschulbildung zu einem ebenso geeigneten, wie interessanten Untersuchungsfeld für die beschriebenen Zusammenhänge:

– Als Expertenorganisationen bedürfen Hochschulen eines besonders großen Maßes an Autonomie um leistungsfähig zu sein;

– entsprechend steht der Leistungsentfaltung eine kleinteilige, bspw. indikatorengestützte Steuerung eher entgegen;

– dies zeigt sich in den die Einführung von New Public Management Verfahren begleitenden jahrelangen Konflikte im Wissenschaftssystem (bzw. zwischen dem Wissenschaftssystem und den es steuernden Autoritäten) und in den in diesem Zusammenhang thematisierten Gerechtigkeitslücken sowie „Deprofessionalisierungsrisiken“, die damit einhergingen.

Der Beitrag beschäftigt sich – eher theoretisch – mit der Frage, inwieweit neue Steuerungsparadigmen, wie etwa das „trust-based management“ für die konkrete Steuerung von Hochschulen nutzbar gemacht werden können.

Zum einen geht es dabei um die Frage nach geeigneten theoretischen Ansätzen zur weiteren Ausarbeitung und Reflexion von entsprechend angelegten Steuerungspraktiken. Diese werden bspw. im Konzept des sozialen Kapitals gesucht und dort insbesondere in Reziprozitätsnormen, also gegenseitigem Vertrauen von Akteuren (also einer auf den Annahmen von Putnam zum sozialen Kapital basierenden Interpretation des Begriffs). Gerade im Kontext der Arbeit von Expertenorganisationen scheint dies zentral zu sein, weil das Vertrauen der Adressaten von Leistungen in die Leistungsfähigkeit der „Produzenten“ dieser Leistungen für deren Professionalität von hoher Bedeutung ist.

Zum anderen geht es – dann eher praktisch – um die Frage, welche Leistungskriterien im Kontext des trust-based management Paradigmas herangezogen werden könnten, um Leistungsfähigkeit festzustellen und wie diese validiert werden könnten. Dafür entwickelt der Beitrag ein Konzept und stellt dieses zur Diskussion.

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  • Makroebene

Autoren

  • P. Pohlenz
  • M. Seyfried

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  • T1 Vorträge 3 (14∶00 15∶15)

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