skip to Main Content

„[…] wenn die wirklich halt nur vorne stehen und ähm, das, ich sach mal, runterbeten […].“ – Wie nehmen Studienzweifelnde und ehemalige Studierende Hochschullehre wahr?

  • N. Pape, K. Heil, H. Schneider
  • 0 Comments

Universität Duisburg-Essen, Deutschland; Hochschule Hannover, Deutschland; Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), Deutschland

Die Umstellungen auf die Bachelor- und Masterstudiengänge, die soziale Öffnung der Hochschulen und eine gestiegene Bildungsbeteiligung insgesamt haben zu einer größeren Heterogenität unter den Studierenden geführt (Banscherus u.a. 2014). Abbruchquoten von durchschnittlich 28% im Bachelorstudium (Heublein/Schmelzer 2018: 5) signalisieren allerdings: Wer zum Hochschulzugang berechtigt ist, hat noch lange nicht das Gefühl, am richtigen Platz zu sein. Die unterschiedlichen Voraussetzungen, Perspektiven und biografischen Erfahrungen sind sowohl im Übergang als auch im Verlauf des Studiums von erheblicher Bedeutung und spielen auch eine Rolle, wenn es um Studienabbrüche geht (z.B. Lange‐Vester/Teiwes‐Kügler 2006; Hild 2019). Die Institutionen, insbesondere die Hochschullehre, stehen somit vor der Herausforderung, die Heterogenität der Studierenden angemessen zu berücksichtigen, sollen Forderungen nach Diversität keine Worthülse bleiben. Damit dies gelingen kann, braucht es qualitative Studien, die anhand konkreter Fallbeispiele erklären können, wie es zu Studienzweifeln und -abbrüchen kommt.

An dieser Stelle setzt das BMBF-Forschungsprojekt „Studienabbruch, Habitus und Gesellschaftsbild“ sowie ein daran anschließendes Promotionsprojekt an, die untersuchen, wie Studienzweifel und -abbrüche entstehen und biografisch verarbeitet werden. Theoretisch verankert in Bourdieus (1982) Habitus-Feld-Konzept und dessen Erweiterung im Milieuansatz (Vester u.a. 2001), ist die zentrale Annahme, dass Studienzweifel und -abbrüche auf „Passungsverhältnisse“ zurückzuführen sind. Das Studium stellt eine Herausforderung für die im Herkunftsmilieu langfristig inkorporierten Haltungen und Gewohnheiten des Habitus dar und nicht allen Studierenden gelingt es gleichermaßen, ihre Studienstrategien mit den Anforderungen und Konventionen der Hochschul- und Fachkultur in Einklang zu bringen. Wie Studierende die fächerspezifisch teilweise sehr unterschiedlichen Lehr-Lernsituationen wahrnehmen und inwieweit sie Möglichkeiten sehen, diese nach ihren Vorstellungen mitzugestalten, ist eng mit ihrem jeweiligen Habitus und mit dem konkreten Feld verbunden, in dem dieser Habitus aktualisiert wird. Daraus ergeben sich nicht selten Spannungsverhältnisse, die auch zum Studienabbruch führen können.

Anhand von über 60 leitfadengestützten Interviews mit (ehemaligen) Bachelorstudierenden unterschiedlicher Hochschultypen (Fachhochschule/Universität) und Fächergruppen mit hoher und niedriger Abbruchquote (Ingenieurwissenschaften/Informatik und Erziehungswissenschaft/Soziale Arbeit) wird nachgezeichnet, wie solche „Passungsverhältnisse“ in längerfristige Bildungsstrategien des Habitus eingelagert sind und mit Vorstellungen gesellschaftlicher Ordnung („Gesellschaftsbildern“) zusammenhängen. Die Datenauswertung folgt der qualitativ‐rekonstruktiven Methodologie der „Habitus‐Hermeneutik“ (Bremer/Teiwes‐Kügler 2013).

Der Beitrag präsentiert Ergebnisse der Projekte und diskutiert insbesondere unter dem Stichwort „Habitussensibilität“ (Sander 2014) Hinweise und Herausforderungen, die sich für die Gestaltung von Hochschullehre ableiten lassen. Der Beitrag wird Track 1 – Mikroebene – zugeordnet.

Literatur

  • Banscherus, U.; Bülow‐Schramm, M.; Himpele, K.; Staack, S.; Winter, S. (Hrsg.) (2014): Übergänge im Spannungsfeld von Expansion und Exklusion. Bielefeld
  • Bourdieu, P. (1982): Die feinen Unterschiede. Frankfurt/M.
  • Bremer, H.; Teiwes‐Kügler, C. (2013): Zur Theorie und Praxis der Habitus‐Hermeneutik. In: Brake, A.; Bremer, H.; Lange‐Vester, A. (Hrsg.): Empirisch arbeiten mit Bourdieu. Weinheim, S. 93‐129
  • Heublein, U.; Schmelzer, R. (2018): Die Entwicklung der Studienabbruchquoten an den deutschen Hochschulen. Hannover
  • Hild, P. (2019): Habitus und seine Bedeutung im Hochschulstudium. Aneignungspraktiken und -logiken von Studierenden. Weinheim
  • Lange‐Vester, A.; Teiwes‐Kügler, C. (2006): Die symbolische Gewalt der legitimen Kultur. Zur Reproduktion ungleicher Bildungschancen in Studierendenmilieus. In: Georg, W. (Hrsg.): Soziale Ungleichheit im Bildungssystem. Konstanz, S. 55‐92
  • Sander, T. (2014) (Hrsg): Habitussensibilität. Wiesbaden
  • Vester, M.; Oertzen, P. v.; Geiling, H.; Hermann, T.; Müller, D. (2001): Soziale Milieus im gesellschaftlichen StrukturwandelFrankfurt/M.

Themenbereiche

  • Mikroebene

Autoren

  • N. Pape
  • K. Heil
  • H. Schneider

Downloads

  • Für diesen Beitrag sind keine zusätzlichen Anhänge verfügbar

Slot

  • T1 Vorträge 2 (11∶45 13∶00)

Teilen Sie diesen Beitrag


Abonnieren
Benachrichtigung
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
Back To Top