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Hochschullehre verstehen und verändern mit Design-Based Research

  • A. K. Brase, T. Jenert, G. Reinmann
  • 4 Comments

Design-Based Research (DBR) ist ein methodologischer Rahmen, der auf Grundlage des Prinzips „Forschen durch Gestalten“ die Entwicklung und gelingende Implementation von Innovationen in der Lehre ermöglicht. Die Bedeutung von DBR nimmt vor allem in der internationalen Bildungsforschung stetig zu: Studien zu DBR-Projekten (vgl. Beispiele in Huber & Reinmann, 2020) sowie neue und neu aufgelegte Lehrbücher (Bakker, 2018; McKenney & Reeves, 2018) werden publiziert, DBR wird von Nachwuchswissenschaftlerinnen aufgegriffen und in bildungswissenschaftlichen Studiengängen gelehrt (siehe z.B. Universität Hamburg, 2019). In der Erforschung von Hochschullehre nimmt DBR eine besondere Rolle ein, indem sowohl ein wissenschaftliches Ziel (Erkennen bzw. Verstehen) als auch ein praktisches (Verändern bzw. Weiterentwickeln) anvisiert wird.

Nun lässt sich DBR nicht nur als ein komplementärer Zugang für Bildungsforscher begreifen; vielmehr lassen sich mit DBR auch lehrende Fachwissenschaftlerinnen als Forscherinnen einbeziehen. In diesem Fall gehen Lehrende verschiedenster Fachdisziplinen über ihre individuelle Perspektive und Verantwortung hinaus und setzen sich selbst forschend mit ihrer Lehre und dem Lernen der Studierenden auseinander. Unter der Bezeichnung Scholarship of Teaching and Learning (SoTL) (z.B. Huber 2014) ist dieses Vorgehen vor allem international weit verbreitet. SoTL hat das Potenzial, das Reflexionsniveau der Lehre in den Disziplinen zu erhöhen und fachdidaktisch relevante Erkenntnisse zu gewinnen. DBR ist keineswegs der einzige, aber ein praktisch höchst relevanter Rahmen, der „Scholars of Teaching and Learning“ Orientierung geben kann. Dafür spricht z.B.:

  • SoTL und DBR verfolgen gleichermaßen Ziele auf der bildungspraktischen (Problemlösungen in der Hochschullehre) als auch auf der bildungswissenschaftlichen Ebene (mitteilungswerte Erkenntnisse, die über den Einzelfall hinausreichen).
  • SoTL und DBR gehen strukturell konform in der Kombination verschiedener Rollen als Lehrende und Forschende in einer Person und nutzen diesen Umstand als Chance.
  • Die in DBR diskutierten Darstellungsformate wie Gestaltungsprinzipien (Van den Akker 1999) und Conjecture Maps (Sandoval 2014) bieten sinnvolle Vorlagen für die Vermittlung von Ergebnissen, wie man sie auch für SoTL braucht.

Nicht nur, aber besonders über diese Kombination wird DBR für die hochschuldidaktische Weiterbildung sowie für Studiengängen relevant, die einen Bezug zur Hochschuldidaktik und/oder Hochschulforschung haben und dafür ausbilden. Damit wird gleichzeitig die Frage virulent, wie sich DBR im Kontext der Hochschule an Lehrende oder in Zukunft Lehrende vermitteln lässt.

Impulsvorträge

Drei Impulsvorträge leiten den Workshop ein: Im ersten Impuls werden die grundlegenden Charakteristika von DBR anhand eines Beispiels vorgestellt. Der zweite Impuls geht auf methodologische und methodische Besonderheiten von DBR ein. Im dritten Impuls wird der Stellenwert von DBR für die hochschuldidaktische Forschung und SoTL herausgestellt:

Impuls 1 Dr. Alexa Kristin Brase
Design-Based Research: Ein Überblick anhand eines Beispiels

Impuls 2 Prof. Dr. Tobias Jenert
Design-Based Research als Erforschung und Gestaltung von Interaktionsprozessen zwischen Wissenschaft und Bildungspraxis

Impuls 3 Prof. Dr. Gabi Reinmann
Design-Based Research im Kontext von Scholarship of Teaching

Interaktiver Teil

Unter Beteiligung von Studierenden aus dem Masterstudiengang Higher Education und Teilnehmenden aus Zertifikatsprogrammen wird im interaktiven Teil mit den Anwesenden schwerpunktmäßig diskutiert, wie sich DBR in Weiterbildungs- und Studienangeboten sowie Angeboten für Nachwuchswissenschaftler (z.B. Kolloquien) vermitteln und praktizieren lässt und welche Rahmenbedingungen für DBR im Rahmen von SoTL förderlich ist. Dazu werden drei „Diskussionsstationen“ (Pinnwände mit Moderationsmaterial) aufgebaut, an denen die Teilnehmenden in Gruppen – jeweils moderiert durch einen der drei Vortragenden – folgende Fragen (ggf. ergänzt durch Fragen der Teilnehmenden) für je 10 Minuten diskutieren:

Station 1: Wer kann von DBR profitieren?

  • Für wen eignet sich DBR als Vermittlungsgegenstand an Hochschulen?
  • Wie könnte man auch erfahrene Fachwissenschaftlerinnen dafür gewinnen?

Station 2: Wie kann man DBR zugänglich machen?

  • Welche Lehr-, Lern- und Angebotsformen eignen sich dafür, DBR zu vermitteln?
  • Welche Schwierigkeiten sind bei DBR in der Lehre wahrscheinlich?

Station 3: Welche Rahmenbedingungen können DBR im Rahmen von SoTL unterstützen?

  • Wo liegen aktuell Hindernisse für DBR-Projekte von Hochschullehrenden?
  • Was müsste sich ändern, um DBR-Projekte von Hochschullehrenden zu unterstützen?

Ergebnissicherung

Die Modertoren fassen am Schluss die Diskussionen an ihren Stationen in maximal 5 Minuten zusammen. Die Zusammenfassungen vor den Pinnwänden mit den schriftlichen Ergebnissen werden videografiert; die Videos werden den Teilnehmenden zur Verfügung gestellt.

Referenzen

  • Bakker, A. (2018). Design research in education: a practical guide for early career researchers. Abingdon, Oxon; New York, NY: Routledge.
  • Huber, L. & Reinmann, G. (2020). Vom forschungsnahen zum forschenden Lernen an Hochschulen. Wiesbaden: Springer VS.
  • McKenney, S. E., & Reeves, T. C. (2018). Conducting educational design research (Second edition). New York: Routledge.
  • Sandoval, W. (2014). Conjecture Mapping: An Approach to Systematic Educational Design Research. Journal of the Learning Sciences, 23(1), 18–36.
  • Universität Hamburg (2019). Higher Education (M.A.). Verfügbar unter: https://hul-master.blogs.uni-hamburg.de/ (aufgerufen am 2.10.2019). Van den Akker, J. (1999). Principles and methods of development research. Design approaches and tools in education and training, 1–14.

Video

Themenbereiche

  • Mikroebene

Autoren

  • A. K. Brase
  • T. Jenert
  • G. Reinmann

Downloads

Slot

  • T2 Workshops (10∶00 11∶30)

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Auch wenn wir nicht mit Ihnen vor Ort diskutieren können, interessiert uns: Welche Einschätzungen und Ideen haben Sie zu Design-Based Research im Rahmen von Scholarship of Teaching and Learning?
(a) Wer kann von DBR profitieren? Wie könnte man auch erfahrene Fachwissenschaftlerinnen dafür gewinnen?
(b) Welche Lehr-, Lern- und Angebotsformen eignen sich dafür, DBR zu vermitteln? Welche Schwierigkeiten sind bei DBR in der Lehre zu erwarten?
(c) Welche Rahmenbedingungen können DBR im Rahmen von SoTL unterstützen? Wo liegen aktuell Hindernisse für DBR-Projekte von Hochschullehrenden? Was müsste sich ändern, um DBR-Projekte von Hochschullehrenden zu unterstützen?

Anspruchsvolle Fragen sind das, liebe Alexa! 😉
Zu (a): Ich glaube, man kann Fachwissenschaftler*innen dafür gewinnen, wenn man all die Fachwissenschaftler*innen nimmt, die einer Handlungswissenschaft zuzuordnen sind. Ich betrachte DBR als ein methodologisch sehr generell aufsetzbares Instrument für die Handlungswissenschaften. Man kann so aufzeigen, wie fachwissenschaftliche Methoden eine Spezialisierung der DBR-Methodologie sind und so Zugänge für Fachwissenschaftler*innen schaffen. Ich arbeite an sowas derzeit.
Zu (c): Vielleicht ist das Framing wichtig. Ich könnte mir vorstellen, dass manch eine*r eher von einer wissenschaftsdidaktischen Perspektive angetan ist, andere von einer Lehrperspektive, wieder andere von einer studentischen Lern- und Prüfungsperspektive. Und in jedem dieser Frames kann DBR sinnvoll eingesetzt werden; doch es bräuchte Vorlagen, Anregungen und Ideen, die teils sogar angepasst für verschiedene Fachkulturen.
Herzliche Grüße, Dominikus

Wir haben ja geahnt, dass es Kolleginnen und Kollegen gibt, die zu diesen Fragen gute Ideen beisteuern können. 😉
Fachspezifische Zugänge halte ich auch für einen sehr relevanten Aspekt, möchte man das Interesse erfahrener Fachwissenschaftler*innen wecken (und die Nutzung verschiedener Frames übrigens genauso schon an dieser Stelle). Wie darf ich dich an dieser Stelle verstehen: Zeigst du eine bereits bestehende Nähe der Methoden handlungswissenschaftlicher Disziplinen zu DBR auf oder sprichst dich für eine fachspezifische Ausarbeitung von DBR mit fachwissenschaftlichen Methoden aus – oder beides?
Ersteres könnte m.E. bereits (z.B. sprachliche und methodische) Hürden abbauen, am zweiten Ansatz würde mich interessieren, ob sich auch in der Tiefe fachspezifische Verbindungen von Lehrpraxis und Forschung zeigen. Ich bin sehr gespannt, mehr über deine Arbeit zu erfahren (deine GfHf-Podcastepisode habe ich zugegebenermaßen noch nicht bis zum Ende gehört – dazu braucht es ja einen Moment mehr -, werde das aber auf jeden Fall noch tun). Herzliche Grüße!

Es müsste wohl damit beginnen, dass man (noch viel stärker) ins Bewusstsein rücken kann, dass sich Expertise als Dozent/in nicht nur an fachwissenschaftlicher Kompetenz festmachen lässt. Dozierende müssen ein doppeltes Kompetenzprofil ausweisen! Das würde mit sich bringen, dass man neben der fachwissenschaftlichen „Währung“ (z.B. Publikationen mit Peer-Review) auch eine hochschuldidaktische haben müsste. Analog könnten das – und jetzt bemühe ich mich, etwas „wild“ zu denken – „zertifizierte Lehrstücke“ sein. Und hier könnte DBR eine wichtige Rolle spielen. Analog zur Publikationsliste könnten Dozierende auf ihrer Portrait-Website ihre (zertifizierten) Lehrstücke aufführen.
Wie könnte das gehen?
Man könnte ein Reglement für Innovationsfonds ausarbeiten und den Hochschulen zur freien Verfügung stellen. Dieses regelt die Anforderungen an „DBR-Lehrstückprojekte“ (evt. auf unterschiedlichen Niveaus – idealerweise gäbe es eine niedrige Einstiegshürde) und legt auch fest, mit welchem zusätzlichem Lehrdeputat diese Arbeit vergütet würde. So hätten die Prorektorate Lehre und die Dozierenden Gewissheit, dass die Bedingungen beidseitig fair wären.
Man könnte Handreichungen zur Verfügung stellen, mit denen man rasch, konkret arbeiten kann (Wie die Publikation von Bakker, vielleicht noch etwas „griffiger“. Vielleicht könnte es einen begleitenden Podcast geben mit mehreren kurzen Folgen – was eine niedrige Zugangsschwelle bietet und dennoch einen gewisse Systematik abbilden würde).
Man könnte am HUL Auditor/innen ausbilden, welche Lehrstücke zertifizieren könnten.
Man könnte ein Forum schaffen, wo ein „DBR-Projekt des Monats“ einen Monat lang (moderiert!) wohlwollend konstruktiv diskutiert wird.
Man könnte Hochschulen ein Prädikat „Exzellent in Lehre“ vergeben, wenn sie an der Hochschule einen DBR-Fachzirkel installiert haben, wo sich Vertreter aller Fachschaften regelmäßig treffen und sich über Stand und Umsetzung von DBR-Projekten austauschen und beraten lassen (Inter- oder Supervision). Selbstverständlich dürften diese Hochschulen auch ein entsprechendes Siegel auf ihrer Website platzieren.

Und vielleicht gibt es noch mehr Leute, die Ideen entwickeln, ohne sich zu fragen, ob das überhaupt geht. Wenn eine nächste Person vier weitere Ideen beisteuert, die übernächste noch drei, dann zwei und noch eine, dann haben die Autorinnen und der Autor dieses Beitrags 15 Ideen. Daraus müsste sich doch etwas machen lassen. Ich freue mich – und seien die Ideen auch noch so quer!!

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