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Paradoxien der Hochschullehre aus Perspektive der Lehrenden

Maria Kondratjuk

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Deutschland

In diesem Beitrag sollen Paradoxien der Hochschullehre aus Perspektive der Lehrenden vorgestellt werden (z.B. Öffnung vs. Selektion; Kompetenzorientierung vs. Massenabfertigung; employability vs. wissenschaftliche Ausbildung).

Grundlage ist ein empirisches Hochschulforschungsprojekt, bei der ein theoretisches Modell der Lehrauffassung unter Berücksichtigung der Einflussfaktoren und Kontextbedingungen im Wissenschaftsbetrieb an Hochschulen rekonsruiert wurde (z.B. Schulze et al. 2015; Kondratjuk/Schulze 2016a, b).

Forschungsleitende Fragen waren: Welche Lehrauffassung haben Hochschullehrende? Wie beschreiben Lehrende im Kontext ihrer Arbeitsprozesse und -strukturen ihren Lehralltag in der Hochschule? Wie beschreiben die Lehrenden ihre Rolle als Lehrende? Welche Paradoxien und Handlungsproblematiken führen die Lehrenden an? Wie nehmen die Lehrenden ihre Studierendenschaft wahr? Hierfür wurden Lehrende der Universität aus verschiedenen Fakultäten und mit unterschiedlichem Status, Geschlecht, Funktionen und Lehrerfahrungen in problemzentrierten Interviews befragt.

Forschungsmethodisch wurde diese Untersuchung im Forschungsstil der Grounded Theory durchgeführt. Die Auswertung (Kodierverfahren der Grounded Theory) wurde punktuell ergänzt a) um biographieanalytische Elemente (beim Werdegang und Zugang in das Tätigkeitsfeld Hochschule), b) um ein inhaltsanalytisches Vorgehen zur Verdichtung einzelner Kategorien (z.B. Funktion von Universität) und c) um eine abduktive Typenbildung (Typen von Lehrauffassung mit den Vergleichsdimensionen Vermittlungsperspektive, Gegenstandsbezug, Bezug/Beziehung zu den Studierenden und die Positionierung im Hochschulsystem).

Das Modell der Lehrauffassung (als empirisch generierte gegenstandsbezogene Theorie) wurde mit organisationstheoretischen Aspekten verknüpft und zudem wurde das analytische Modell der didaktischen Handlungsebenen auf die Bildungsinstitution Hochschule übertragen. Damit war es möglich, eine Darstellung von komplexen Bedingungsfaktoren von Lehre aus Perspektive der Lehrenden vorzunehmen. Eine Kategorie bilden die Paradoxien der Hochschullehre, die die Lehrenden als ambivalente Spannungsverhältnisse zu beschreiben versuchen und sich in Handlungsproblematiken zeigen, die in den hochschuldidaktischen Handlungsebenen ausgedeutet werden können.

Kernaussagen der Forschung sind:

1. Lehre an Hochschulen ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren.

2. Entwicklung der Lehre ist möglich, wenn sie in ihrer Prozessualität und Mehrdimensionalität erfasst wird.

3. Lehre ist ein ko-produktiver Prozess. Hochschullehrende und Studierende sind Partner_innen.

4. Für eine Diskussion um die Qualität von Lehre ist die Erschließung der Lehre aus Perspektive der Lehrenden eine Grundvoraussetzung.

5. Lehre als Handeln der Lehrenden ist von Paradoxien gekennzeichnet und dürckt sich in widersprüchlichen Handlungsproblematiken aus.

Dieser letzte Punkt soll Gegenstand des Vortrages sein.

Vorarbeiten:

Schulze, M./Kondratjuk, M. (im Erscheinen): Lehrauffassung – Implikationen für Persönlichkeitsentwicklung in der Hochschulausbildung. In: Studer, J./Abplanalp, E./Disler, S. (Hrsg.): Förderung der Persönlichkeitsentwicklung an Hochschulen. hep Verlag.

Schulze, M./Kondratjuk, M. (2017): Von der empirischen Hochschulforschung im Prozess der kommunikativen Validierung zur partizipativen Qualitätsentwicklung von Hochschullehre. In: Zeitschrift für Hochschulentwicklung ZFHE; 113-131.

Kondratjuk, M./Schulze, M. (2016b): Die Qualitäten von Lehre. In: Handbuch Qualität in Studium und Lehre. Ausgabe 56/2016, C2.12, Raabe Fachverlag für Wissenschaftsinformation, S. 49-62.

Kondratjuk, M./Schulze, M. (2016a): Lehrauffassung von Lehrenden – ein komplexes Konstrukt. Anlass für eine neue Auseinandersetzung mit der Qualität akademischer Lehre. In: Vettori, O./Salmhofer, G./Mitterauer, L./Ledermüller, K./Lothaller, H./Hofer, M. (Hrsg.) Qualitätsmanagement im Spannungsfeld zwischen Kompetenzmessung und Kompetenzentwicklung. UniversitätsVerlagWebler.

Schulze, M./Kondratjuk, M./Pohlenz, P. u.a. (2015): Lehrauffassung, Lehrhandeln und Wahrnehmung der Studierenden: Aus- und Wechselwirkungen. In: Reinländer, K. (Hrsg.): Ungleichheitssensible Hochschullehre, VS: Wiesbaden, S.165-175.

Themenbereiche

  • Mikroebene

Autoren

  • M. Kondratjuk

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A. Neudecker

Sehr geehrte Frau Dr. Kondratjuk, Ihren sehr spannenden Vortrag hätte ich sehr gerne gehört. Ich erlaube mir eine Frage: Sehen Sie in der Gegenüberstellung von Bachelor/Master-Ausbildung und dem Lifelong-Learning ebenfalls eine Paradoxie mit widersprüchlicher Handlungsproblematik ? Danke für Ihre Antwort bzw. danke für weitere Kommentare diesbezüglich. MfG – A. Neudecker

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