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Förderung der kommunikativen Handlungskompetenz in der Hochschulbildung. Ein Beitrag zu einer bildungstheoretisch orientierten Hochschuldidaktik.

Die Fragen nach Effektivität der Hochschulbildung haben zu beachtlichen Entwicklungen in der Erfassung von akademisch vermittelten Kompetenzen geführt (vgl. Blömeke et al. 2013; Zlatkin-Troitschanskaia et al. 2016). Neben diesen Forschungsprojekten sind auch Fragen zentral, wie Lehr- und Lernprozesse zu gestalten sind, um Absolvent*innen auf die realen beruflichen Anforderungen und sozialen Handlungszusammenhänge vorzubereiten. Die Hochschulen tragen die Verantwortung, nicht nur anwendungsbezogenes Wissen und domänenspezifische Kompetenzen zu vermitteln, sondern auch Persönlichkeitsbildung unter Berücksichtigung personenbezogener Bildungsprozesse zu ermöglichen. Zu betonen ist die Förderung der kommunikativen Handlungskompetenz, die eine existenziell bedeutsame Kompetenz darstellt, welche auch im bildungspolitischen Diskurs als ein Bildungsziel betont wird (vgl. Kultusministerkonferenz 2017; Europäische Kommission 2008; Dublin Descriptors 2004).

Neben der Vermittlung fach- bzw. domänenspezifischer Kompetenzen wird die Vermittlung non-kognitiver, sog. generischer Kompetenzen betont (vgl. Kultusministerkonferenz 2017; Europäische Kommission 2008), zu welchen die Kommunikationsfähigkeit gehört. Die Bedeutsamkeit der kommunikativen Handlungskompetenz liegt u.a. darin begründet, dass Kommunikation zu einem zentralen Koordinationsinstrument des sozialen Handelns und Zusammenlebens gehört (vgl. Habermas 1984, 1988, 1999a, 1999b) und jedes Individuum unausweichlich in kommunikative Handlungs- und Erfahrungszusammenhänge eingebettet ist (vgl. Lederer 2014: 154).

Bezogen auf den hochschulischen Lehr-Lern-Kontext stellt sich die Frage nach geeigneten Formaten der Hochschuldidaktik und förderlichen Lerngelegenheiten, um diese Bildungsziele zu erreichen. Im Posterbeitrag wird ein von Braun et al. (2018a; 2018b) entwickeltes perfomanzbasiertes Instrument als ein adäquates Verfahren zur Förderung und Erfassung kommunikativer Handlungskompetenz diskutiert sowie ein Forschungsprojekt vorgestellt, welches den Fokus auf die bildungstheoretisch orientierten Gestaltungsmöglichkeiten der Hochschulbildung legt und die erfahrungsnahen, personenbezogenen Bildungsprozesse in Kommunikations- und Interaktionszusammenhängen analysiert.

Literatur

  • Blömeke, S.; Zlatkin-Troitschanskaia, O.; Kuhn, Ch. & Fege, J. (Eds.) (2013): Modeling and Measuring Competencies in Higher Education: Tasks and Challenges. Rotterdam/Boston/Taipei: Sense Publishers.
  • Braun, E.; Athanassiou, G.; Pollerhof, K. & Schwabe, U. (2018a): Wie lassen sich kommunikative Kompetenzen messen? – Konzeption einer kompetenzorientierten Prüfung kommunikativer Fähigkeiten. In: Beiträge zur Hochschulforschung, 40. Jg., 3/2018. München.
  • Braun, E.; Schwabe, U. & Klein, D. (2018b): Performance-Based Tests: Using Role Plays to Assess Communication Skills. In: McGrath, S. et al. (Eds.): Handbook of Vocational Education and Training: Developments in the Changing World of Work.
  • Dublin Descriptors (2004): Shared ‘Dublin’ descriptors for short cycle, first cycle, second cycle and third cycle awards. Working Document on JQI Meeting in Dublin. https://www.uni- due.de/imperia/md/content/bologna/dublin_descriptors.pdf [01.08.2019].
  • Europäische Kommission (2008): Der europäische Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen. https://ec.europa.eu/ploteus/sites/eac-eqf/files/brochexp_de.pdf [01.07.2019].
  • Habermas, J. (1984): Notizen zur Entwicklung der Interaktionskompetenz. In: Habermas, J. (Hrsg.): Vorstudien und Ergänzungen zur Theorie des kommunikativen Handelns. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 187–225.
  • Habermas, J. (1988): Handlungen, Sprechakte, sprachlich vermittelte Interaktionen und Lebenswelt. In: Habermas, J. (Hrsg.): Nachmetaphysisches Denken. Philosophische Aufsätze. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 63–104.
  • Habermas, J. (1999a): Theorie des kommunikativen Handelns. Bd. 1. Handlungsrationalität und gesellschaftliche Rationalisierung. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
  • Habermas, J. (1999b): Theorie des kommunikativen Handelns. Bd. 2. Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
  • Kultusministerkonferenz (2017): Qualifikationsrahmen für Deutsche Hochschulabschlüsse. (Im Zusammenwirken von Hochschulrektorenkonferenz, Kultusministerkonferenz und Bundesministerium für Bildung und Forschung). https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2017/2017_0 2_16-Qualifikationsrahmen.pdf [01.07.2019].
  • Lederer, B. (2014): Kompetenz oder Bildung. Eine Analyse jüngerer Konnotationsverschiebungen des Bildungsbegriffs und Plädoyer für eine Rück- und Neubesinnung auf ein transinstrumentelles Bildungsverständnis. Innsbruck university press.
  • Zlatkin-Troitschanskaia, O.; Pant, A. P.; Kuhn, Ch.; Toepper, M. & Lautenbach, C. (2016): Messung akademisch vermittelter Kompetenzen von Studierenden und Hochschulabsolventen. Wiesbaden: Springer VS.

Video

Themenbereiche

  • Bildungstheorie
  • Handlungskompetenz
  • Hochschulbildung
  • Kommunikationskompetenz
  • perfomanzbasierte Tests

Autoren

  • A. Falkenstern
  • E. Braun

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Slot

  • T2 Posterrunde IV A (10∶45 11∶30)

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Jennifer Preiß

Vielen Dank für den interessanten Beitrag! Gibt es zu Ihrer Forschung schon weitere Publikationen? Mich würde insbesondere das Klientiel interessieren, mit denen Sie die Rollenspiele durchführen – sind ist Studierende unterschiedlicher Fachbereiche? Außerdem interessieren mich die gewählten Situationen für die Rollenspiele und die Settings in denen sie durchgeführt werden – ist es z.B. ein geschützter Rahmen oder eine Seminarsituation mit 40 Studierenden? Zuletzt fände ich es noch spannend zu erfahren, ob die Anleitenden der Rollenspiele eine besondere Ausbildung haben, um Konflikte oder Triggerthemen, die bei den Studierenden dadurch hochkommen können, ggf. aufzufangen. Vielen Dank auf jeden Fall schonmal für die… Weiterlesen

Anastasia Falkenstern

Liebe Frau Preiß, vielen Dank für Ihr Interesse an unserer Arbeit. Zum Thema Rollenspiel als Lehr-Lern-Methode gibt es zahlreiche Publikationen, die aus unterschiedlichen Perspektiven den Einsatz des Rollenspiels als Lehr-Lern-Format begründen: z.B. Schulunterricht, Erwachsenenbildung, Hochschulbildung (z.B. Einsatz des Rollenspiels im Medizinstudium als Kommunikationstraining für Patientengespräche). Die Rollenspiele, die wir vorstellen, sind für die Studierenden der Wirtschaftswissenschaften und Lehramtsstudierende konzipiert, wurden aber auch schon „breiter“ eingesetzt. Die Durchführung der Rollenspiele erfolgt im Rahmen von Lehrveranstaltungen, in Bewertungssituationen meist in einem Dreiersetting (trainierte Gesprächspartner*in, Beobachter*in und Student*in). Die Beobachter*innen (Bewertung) sind meist die Lehrenden, also Mitarbeiter*innen aus unserer Arbeitsgruppe. Die Gesprächspartner*innen durchlaufen… Weiterlesen

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